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Der Aufbau von Vertrauen in die Wissenschaft und die Verwirklichung ihres öffentlichen Wertes

In diesem abschließenden Kommentar zum Bericht „Trust in Science for Policy Nexus“ erläutert Xuan Liu die wichtigsten Faktoren, die das Vertrauen beeinflussen, und stellt praktische Wege zur Stärkung der Rolle der Wissenschaft als öffentliches Gut vor.

Dieser Beitrag ist Teil einer Blogreihe, in der Mitglieder des ISC zu Wort kommen. Ausschuss für Freiheit und Verantwortung in der Wissenschaft (CFRS) teilen ihre Überlegungen zu Vertrauen in die Wissenschaft für den Politik-Nexus Der Bericht wurde nach einem Workshop veröffentlicht, der vom International Science Council (ISC) und der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission gemeinsam organisiert und von der US-amerikanischen National Science Foundation mitfinanziert wurde.

Der Workshop brachte Experten zusammen, um die komplexe Dynamik des Vertrauens in die Wissenschaft innerhalb der Politikgestaltung zu untersuchen und eine zentrale Frage zu erörtern: Inwieweit lässt sich das Vertrauen in die Wissenschaft als Grundlage für politische Entscheidungen von umfassenderen Fragen des Vertrauens in demokratische Institutionen trennen?


Über die Autorin: Xuan Liu Sie ist Direktorin des Instituts für Innovationsumfeld an der Nationalen Akademie für Innovationsstrategie der Chinesischen Vereinigung für Wissenschaft und Technologie (NAIS, CAST). Sie verfügt über einen akademischen Hintergrund in Informatik, Kommunikationswissenschaften und Sozialpsychologie und hat sowohl in China als auch in Großbritannien studiert.

Die Vertrauen in die Wissenschaft für den Politik-Nexus Der Bericht analysiert systematisch die aktuelle internationale Situation hinsichtlich des Vertrauens in die Wissenschaft und schlägt eine Reihe inspirierender Maßnahmen vor, die praktikable Leitlinien zur weiteren Stärkung des Vertrauens in die Wissenschaft bieten.

Die Spannung zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und öffentlichem Vertrauen ist eine unvermeidliche Folge des Missverhältnisses zwischen rasanter wissenschaftlicher Entwicklung und kognitiver Anpassungsfähigkeit, wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat. In verschiedenen Epochen begegneten die Menschen der Komplexität und den ungewissen Auswirkungen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Technologien mit Erwartungen und Sorgen. Unzureichende Wissenschaftskommunikation verstärkt das durch Fehlinformationen bedingte Vertrauensverlust zusätzlich. Insbesondere wenn die Grenzen der Wissenschaft nicht zeitnah erläutert werden oder wenn Wissenschaftler die damit verbundenen Risiken nicht umfassend diskutieren, ist die Öffentlichkeit anfälliger für Falschinformationen. Folglich kann das Vertrauen in Wissenschaft und Wissenschaftler geschwächt werden.

Die Wissenschaft beweist ihren Wert als öffentliches Gut, indem sie dem Wohlergehen der Menschheit dient und sich mit Themen wie nachhaltiger Entwicklung, globaler Gesundheit und Ernährungssicherheit auseinandersetzt. Das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen, ist dabei stets eine entscheidende Voraussetzung. Ohne Vertrauen können Zweifel und Missverständnisse gegenüber der Wissenschaft zu Widerstand und Behinderung führen.

Die Wissenschaft ist heute von wachsenden demografischen Unterschieden betroffen. Die Kluft zwischen Ländern mit hohem Einkommen und Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen führt zu unterschiedlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Vertrauen in die Wissenschaft. Auch der technologische Fortschritt hat regionale Ungleichheiten verstärkt und damit die Skepsis darüber geschärft, ob die Wissenschaft der Öffentlichkeit tatsächlich nützt. Hinzu kommt, dass der Druck aus Politik, Wirtschaft und anderen Bereichen wissenschaftliche Erkenntnisse verzerren und so die Vertrauensspaltung weiter verschärfen kann.

Das Vertrauen in die Wissenschaft hängt von der Zugänglichkeit und Inklusivität wissenschaftlicher Erkenntnisse und Ressourcen ab. Fehlt es an Zugänglichkeit und Inklusivität, sinkt ihr Wert als öffentliches Gut für das Gemeinwohl, und das Misstrauen wächst. Beispielsweise mangelt es manchen ressourcenarmen Gemeinschaften an grundlegender Infrastruktur und wissenschaftlichen Inhalten in den jeweiligen Landessprachen, was das Verständnis neuester wissenschaftlicher Entwicklungen erschwert. Gleichzeitig werden Minderheiten und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen in der Wissenschaftskommunikation möglicherweise vernachlässigt oder ausgegrenzt.

Die Lösungen liegen in praktischen Beispielen, die das Vertrauen in die Wissenschaft stärken und ihre Rolle als Gemeingut für das menschliche Wohlergehen verdeutlichen. Erstens erfordert dies, die umfassenden Vorteile der Wissenschaft aktiv der Öffentlichkeit zu vermitteln – durch aktives Zuhören und wirkungsvolles Storytelling. So haben beispielsweise afrikanische Gemeinschaften durch Hybridreis-Technologie Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln erreicht; abgelegene Gebiete haben durch Telemedizin wieder Zugang zur Gesundheitsversorgung erhalten; und Menschen mit Behinderungen haben mithilfe von Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) ihre Funktionen wiedererlangt. Diese Beispiele zeigen, dass Spitzentechnologie eine Quelle der Hoffnung ist. Zweitens sollte die Beteiligung an wissenschaftlichen Entscheidungsprozessen transparenter gestaltet werden und der Öffentlichkeit mehr Raum für Meinungsäußerung geben. Wenn Wissenschaft klar als ein umfassendes und zugängliches Gemeingut dargestellt wird, können die Menschen ihre Vorteile direkt erfahren – was dazu beiträgt, Konsens und Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken.


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Bild von Connie de Vries on Unsplash

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